Die Schweizerische Vogelwarte Sempach rät: Hände weg von Jungvögeln!
Viele Jungvögel verlassen ihr Nest sehr früh, oft schon bevor sie überhaupt richtig fliegen können. Aber auch ausserhalb des Nestes werden sie von ihren Eltern weiter gefüttert und umsorgt. Daher ist es ratsam, Jungvögel dort zu lassen, wo sie sind. Auch nach Abklingen der Vogelgrippe sollten Wildvögel möglichst nicht berührt werden.
Sempach. - Gut gemeinte, aber unsachgemässe Hilfe führt oft dazu, dass gesunde Jungvögel von ihren Eltern getrennt werden. Ein Jungvogel ist meist nur scheinbar verlassen und hilflos. Er wird auch nach dem Verlassen des Nestes von seinen Eltern weiter gefüttert und betreut. Daher gilt: Hände weg von Jungvögeln! "In menschlicher Obhut können die Jungen zwar auch gedeihen, sie erhalten aber nicht die natürliche Fürsorge ihrer Vogeleltern", weiss Vreni Mattmann, Tierpflegerin an der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Dies wirkt sich später negativ auf die Überlebenschancen der Pfleglinge aus.
Frühzeitiges Ausfliegen
Viele Jungvögel von Nesthockern (zum Beispiel Singvögel, Eulen, Greifvögel, Spechte) verlassen ihr Nest schon früh, obwohl sie noch nicht richtig fliegen können. Bekannt ist dies vor allem von Amseln und anderen Drosselarten. Mit der Zeit wird es im Nest zu eng und die heranwachsenden Jungen hüpfen heraus. Dies kann auch ein Vorteil sein, denn wird ein Nest ausgeraubt, wäre die ganze Brut verloren. Befinden sich die Jungvögel aber verteilt ausserhalb des Nestes, gibt es keine Totalverluste.
Wann soll man Hilfe leisten?
Ungeschickt umherflatternde Jungvögel wirken auf den ersten Blick verlassen. Meist sind sie aber weder verletzt noch aus dem Nest gefallen. Fast immer machen sie sich mit Bettelrufen bemerkbar, so dass die Eltern genau wissen, wo sie füttern müssen. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach empfiehlt daher, Jungvögel unbedingt an ihrem Fundort zu lassen. Einschreiten soll man nur, wenn sich ein Vogel in unmittelbarer Gefahr befindet. Sitzt z.B. ein junges Rotkehlchen auf der Strasse, so hebt man es auf und setzt es ins nächste Gebüsch. Ist das Junge verletzt oder wird es von den Eltern über eine Stunde nicht mehr versorgt, bringt man es am besten in die nächstgelegene Pflegestation. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach vermittelt gerne die entsprechende Adresse.
Auch nach Abklingen der Vogelgrippe sollte der direkte Kontakt mit Wildvögeln möglichst vermieden werden. Wenn Wildvögel angefasst wurden, müssen die Hände gründlich mit warmem Wasser und mit Seife gewaschen werden.
Infonet - der Internet-Ratgeber der Schweizerischen Vogelwarte Sempach
Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://infonet.vogelwarte.ch. Diese Dienstleistung der Schweizerischen Vogelwarte Sempach enthält nützliche Tipps und umfassende Informationen rund um Vögel und Vogelschutz, z.B. über "Erste Hilfe für verletzte Vögel", "Nisthilfen" oder auch zum Thema "Jungvögel".
Weitere Auskünfte:
Schweizerische Vogelwarte
Vreni Mattmann
6204 Sempach
Tel. 041 462 97 49
info@vogelwarte.ch
Bild: Jungvögel werden auch nach dem Verlassen des Nestes von ihren Eltern weiter betreut.(Beispiel:Zaunkönig)
Bildquelle: Schweizerische Vogelwarte Sempach
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